Förderverein der BiologieOlympiade e.V.

Aktuelles

Am Morgen des 18. Mai brachen wir getrennt voneinander aus verschiedensten Städten auf, alle mit demselben Ziel: der vierten Runde zur IBO 2025. In der verzweifelten Hoffnung, vielleicht einmal rechtzeitig anzukommen, hatten wir diesmal auch alle unsere Zugverbindungen einigermaßen sinnvoll gewählt. Dadurch trafen wir trotz einzelner, außerordentlich knapper Umstiegszeiten doch alle rechtzeitig zum ersten gemeinsamen Abendessen ein. Zwar mussten wir m Gegensatz zu den Teilnehmenden der IChO mit der vertrauten Kieler Jugendherberge vorliebnehmen, dafür konnten wir uns aber vollkommen auf das Wiedersehen mit Freund*innen aus der 3. Runde konzentrieren und wurden nicht durch gutes Essen abgelenkt.

Nach dieser ersten Bestandsaufnahme, bei der wir erst einmal feststellen durften, dass (erwartbarerweise) alle Teilnehmenden wieder vom Mangel der eigenen Vorbereitung überzeugt waren und sich sicher waren, dass alle anderen viel besser vorbereitet sind, ging es dann schon weiter mit der altbekannten Sicherheitseinweisung und dem altbekannten Programm – Moment mal, das wurde ja geändert? Tatsächlich durften wir uns zum ersten Mal mindestens seit 2023 einer neuen Reihenfolge an Klausuren stellen und fingen am Morgen des nächsten Tages mit der vermeintlich vorhersehbarsten Klausur an, der Bioinformatik. Was kann schon schiefgehen, bei einer Klausur, bei der man das gesamte (KI-freie) Internet nutzen darf? Nun, die Antwort darauf war wohl: so gut wie alles.

Nach einer scheinbar sehr kurzen Einführung in bioinformatische Grundlagen und sogenannte OPCs war die Vorbereitung dann schon vorbei und wir durften beziehungsweise mussten uns einer Vielzahl von Alignments, Recherchen und Datenauswertungen stellen. Dabei ging die Zeit viel schneller vorbei, als uns bewusst war. Sichtlich angestrengt von der ersten Klausur, war zu diesem Zeitpunkt den wenigsten von uns bewusst, dass wir ebendiese Klausur bald als eine der einfacheren in Erinnerung haben würden.

Am Nachmittag ging es weiter mit der dreistündigen Physiologieklausur. Ja, Physiologie ist immer anstrengend, aber drei Stunden – drei Stunden sollten doch sicher genug sein, um selbst Physiologie problemlos bearbeiten zu können, oder? Wie sich herausstellen sollte, war dem nicht so. Zwischen einer Titration mit unklarem Endpunkt, enzymkinetischen Messungen und einer DC verging die Zeit dann doch unaufhaltsam, sodass am Ende wirklich niemand auch nur ansatzweise fertig wurde. Wie sich später herausstellen sollte, lief die Klausur derart schlecht, dass ein Großteil der Teilnehmenden unter einem Drittel der Punkte lag.

Nach all dieser Anstrengung wurde der Abend dann mit von uns erstellten Vorträgen abgeschlossen, die uns Einblicke in Themen von PET über Fettsäuren bis hin zu jeglichen Formen von Hormonen gaben. Unterstützt wurde die Atmosphäre noch durch einen wunderschönen Seminarraum mit schiefem Dach und stickiger Luft. Völlig erschöpft fielen wir am Ende ins Bett und wiederholten noch letzte Details zur Molekularbiologie.

Mit dieser begann für die Hälfte von uns auch der nächste Tag. Es zeigte sich, dass nach der Physiologie auch die Molekularbiologie unbedingt den Status der letztjährigen Botanikklausur als schwerste Klausur erhalten wollte. Wir durften neben vielerlei Theoriefragen zu DNA-bindenden Elektrolytschichten und DNA-Aufnahme die Zellen einer 96-Well-Platte und eine Elektrophorese füllen. Im Sinne des Budgets wurde dabei auf den eigentlich geplanten GFP-Marker verzichtet und dieser durch Farbstoff ersetzt. Sichtlich geschafft verließen wir die Klausur und konnten uns endlich unserem wohlverdienten Chicken Wing widmen. Wobei dieser natürlich nicht im Mittagsbuffet, sondern in der Zoologieklausur auf uns wartete. Somit wurde neben histologischer (Un)Kenntnis auch geprüft, wie gut wir in der Lage sind, zähe Fleischstücke mit einem vollkommen stumpfen Skalpell von den dazugehörigen Knochen zu trennen.

Nach den restlichen Vorträgen folgte schon die Vorbereitung für die große Theorieklausur. Diese verwirrte uns trotz erheblicher inhaltlicher Kürzung im Vergleich zur dritten Runde im MC-Teil mit Fallen wie einer komplett unnötigen, dafür aber ziemlich kompliziert aussehenden Formel und versuchte, uns möglichst viel Zeit zu rauben. Im Komplexanteil widmeten wir uns dann Themen wie ethologischen Experimenten, dem Fettsäurestoffwechsel (der zum Glück schon durch einen Vortrag vorbereitet war) oder der Entwicklung von Pflanzen.

Nachdem all diese irrelevanten Klausuren beendet waren, musste natürlich noch irgendwie ermittelt werden, wer denn überhaupt ins Team kommt, sodass wir gemeinsam bowlen durften, um unsere Punkte für die Bewertung zu sammeln. Komischerweise stellten wir dabei fest, dass die Ergebnisse des Bowlings teilweise die Qualifikation von Betreuenden für das Nationalteam zur Folge gehabt hätten, sodass letztlich doch auf die Klausurergebnisse zurückgegriffen werden musste. Schließlich durften wir beim Bowling auch nicht vergessen, dass die letzte Herausforderung noch vor uns stand: die im letzten Jahr besonders komplizierte Botanikklausur.

Im Gegensatz zur letztjährigen Klausur war die aktuelle zeitlich zwar machbar, doch wurden mit Algen und Gräsern eher unerwartete Themen abgedeckt. Einzelne Fragen, wie etwa die nach der Verwendung von Sauergräsern, provozierten eine Vielzahl an mehr oder weniger sinnvollen, auf jeden Fall aber amüsanten Antworten. Da wir nach der Klausur natürlich gar nicht mehr genug von Pflanzen bekommen konnten, ging es direkt in den Botanischen Garten, wo viele Gewächse jenseits des Klausurstresses plötzlich viel sympathischer wirkten.

Das abendliche Essen im Wang Su bot uns einen netten Kontrast zum, nun ja, eher mittelmäßigen Essen der Jugendherberge, wenngleich niemand den alten Rekorden an gegessenen Tellern nahekam. Am letzten Abend vor der Preisverleihung blieb uns dann nur noch, die Erstellung einiger Memes um unsere Klausurevaluation fertigzustellen und damit die verdiente „Rache“ für vorherige Klausurauswertungen zu üben.

Freitagmorgens folgte, neben der am Rande stattfindenden Preisverleihung, der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung mit der Klausurauswertung, in der sich dieses Jahr wieder die Molekularbiologie, dicht gefolgt von der Physiologieklausur, durchsetzen konnte. Zusätzlich wurde, wie gesagt, auch das Nationalteam verkündet, das Deutschland bei der IBO 2025 vertreten wird:

Gemeinsam machten wir uns schließlich auf den Weg zum Kieler Hauptbahnhof, von wo aus wir gemeinsam nach Hamburg aufbrachen. Dort trennten sich die Wege der meisten. Zum Ende blieb uns also nur zu hoffen, dass wir unsere Mitteilnehmenden bei Gelegenheit (zum Beispiel bei einem Vereinstreffen) wiedersehen können und dem Nationalteam viel Erfolg zu wünschen.